Kobudo
Die Kunst des Umgangs mit traditionellen Waffen aus Okinawa
Unter "Kobudo" versteht man den Gebrauch von Gegenständen, welche von Bauern, Fischern und Handwerkern auf Okinawa verwendet wurden, um sich gegen Angriffe zur Wehr zu setzen. Somit waren die verwendeten Geräte im ursprünglichen Sinne keine Waffen, sondern unverdächtige Werkzeuge bzw. Gebrauchsgegenstände zur Ernte, zum Fischfang oder für andere praktische und zweckmäßige Alltagsarbeiten der Bewohner.
Die Entstehung des „Kobudo“ (in Kanji: 来会道), so wir es heute kennen, darf niemals getrennt von der Entwicklung des Karate-Do gesehen werden. Die ursprüngliche Bezeichnung des Kobudo lautete „Okinawa-Kobujutsu“ (in Kanji: 沖縄来会術), was die Bedeutung für die Notwendigkeit des Überlebens für die damaligen Bewohner der Insel Okinawa unterstreicht. Beide Systeme, Karate und Kobudo, sind auf das Engste miteinander verwoben. Alle okinawanischen Meister des Karate beherrschten auch stets den Umgang mit mehreren Waffen.
Die Anfänge des Kobujutsu lassen sich bis in die Zeit des ersten Waffenverbotes auf Okinawa im Jahre 1429 unter König Sho Hashi zurückdatieren. Einen entscheidenden Einfluss auf das Entstehen des Kobu-Jutsu hatten die Bauern, welche sich gegen Übergriffe zur Wehr setzen mussten. Die okinawanischen Bauern hatten generell einen Hang zum Kämpfen. Das kriegerische Potenzial der Bauern lässt sich anhand von 1240 (!) Bauernaufständen von 1599 bis 1867 belegen. Diese Aufstände waren äußerst gewalttätig und wurden von den Herrschern mehr gefürchtet als jeder Krieg. Die meisten Aufstände wurden jedoch brutal niedergeschlagen und die Anführer sofort getötet.
Entscheidend in der Entwicklung des Kobujutsu war jedoch die Invasion des Shimazu-Clans, ein japanisches Adelsgeschlecht und einer der mächtigsten Familien-Clans im feudalen Japan, auf Okinawa. Die Besatzer fielen im Jahr 1609 von Süd-Kyushu her mit einer etwa 3000 Mann starken Armee auf den Ryu-Kyu-Inseln ein und überzogen das Land mit beispiellosem Terror und Willkür. Sie regierten die Insel mit eiserner Hand und beuteten die Menschen mittels extrem hoher Steuern und Ernteabgaben gnadenlos aus.
Obwohl anzunehmen ist, dass bereits früher Techniken mit Alltagsgegenständen entwickelt wurden, die als Waffen eingesetzt werden konnten, gilt die Zeit um 1600 als Beginn der Entwicklung des Kobujutsu auf Okinawa. Die Techniken des Kobujutsu wurden zunächst über Jahrhunderte lediglich innerhalb der Familienmitglieder weitergegeben. Schriftliches Material über die Techniken selbst existiert nach den derzeitigen Erkenntnissen Forschung nicht. Die Kenntnisse wurden von Generation zu Generation nur mündlich weitergegeben, so dass das Kobujutsu natürlich im Laufe der Jahrhunderte auch viele Veränderungen in der Technikausführung erfuhr: aus dem Kobujutsu („Alte Kriegskünste“) wurde das Kobudo („Der Weg der alten Kampfkünste“). Das Kobujutsu war eine reine Kriegskunst mit dem einzigen Ziel, sich effektiv mittels harmlos erscheinender Werkzeuge verteidigen zu können. Aufgrund des verborgenen und streng geheimen Trainings hielten die Okinawaner ihren Widerstand und die streng geheimen Überlieferungen ihrer Kriegskünste aufrecht.
In unserem Dojo trainieren wir die Kobudo-Stilrichtung "Matayoshi-Ryu", welche sich durch eine immense Vielzahl verschiedener Waffen auszeichnet. Die Stilrichtung wurde von Shinko Matayoshi gegründet. Shinko Matayoshi begann in seiner Kindheit mit dem Studium der okinawanischen Waffen Bo, Ieku, Kama und Sai. Später lernte er auch die Kunst des Tonfa und des Nunchaku. Zu Beginn des Jahrhunderts (1911) reiste er über den Norden Japans nach China, um seine Kenntnisse in den Kampfkünsten zu vertiefen.
Nach seinem Tod im Jahr 1947 führte sein Sohn Shinpo das Werk seines Vaters weiter. Er lehrte in mehreren Städten Japans, kehrte jedoch 1960 nach Okinawa zurück, um dort zu unterrichten. Er begann damit im Dojo des Goju-Ryu-Experten Higa Seiko, gründete jedoch 1969 sein eigenes Dojo, das er zu Ehren seines Vaters Shinko Kodokan ("erleuchteter Weg") nannte. Dort unterrichtete er viele Meister des okinawanischen Karate im Kobudo. Im Jahre 1970 gründete er die Ryūkyū Kobudo Renmei, die 1972 in die Zen Okinawa Kobudo Renmei umgewandelt wurde und wurde ihr Präsident. Heute ist die Organisation international verbreitet und hat Niederlassungen in der ganzen Welt. Matayoshi Shinpo verstarb am 6. September 1997.

Shinko Matayoshi (1888 - 1947)

Shinpo Matayoshi (1921 - 1997)

Okinawa
